Temperaturabhängiger Sound?

Alles über die wohl coolsten Musik-Instrumente

Re: Temperaturabhängiger Sound?

Beitragvon Igorilla » So Feb 15, 2015 1:34 pm

surfing-matze hat geschrieben:So nu muss aber doch einer mit ner anderen Meinung kommen :wink: !

Ich habe auch schon öfter mit Kollegen, die in der Elktrotechnik und / oder Physik sehr bewandert sind, über Sound z.B. bei Gitarren und Verstärkern geredet. Oft hört man: das (also gemeint ist nen als unglaublich toll empfundener Sound z.B. einer Gitarre oder eines Amps oder der Kombi aus beiden) ließe sich mit den heute zur Verfügung stehenden techn. Mitteln alles reproduzieren. Zum Bsp. muss man nur die Pickups genau analysieren und zack, kann man welche wickeln, die genauso klingen wie die alten.

Nee, das behauptet der Zollner auch gar nicht. Er untersucht nur, welche physikalischen Eigneschaften welchen Einfluß auf den Klang haben. Mehr nicht, und weniger auch nicht.


surfing-matze hat geschrieben:Wenn ich jetzt lese, das Holz spiele keine oder nur geringe Rolle - hmmmmm das kann man glauben oder nicht (ich tu's nicht). Also fundiert und technisch begründen kann ich es nicht - habe aber auch nicht den Anspruch. Ich höre und fühle lieber und hab inzwischen schon genug Gitarren in der Hand gehabt, um zumindest einigermaßen gut einschätzen zu können, wie gut ein Intrument ist. Vintage JM, Jag, (Strats und Teles leider kaum) aber auch Les Pauls aus den 50ern für unglaublich unbezahlbares Geld waren darunter. Ad Hoc kann ichs natürlich nicht immer gleich einschätzen, da is die Tagesform viel zu nen großer Störfaktor. Dann das sich-selbst-verarschen (weil diese Gitarre ist von 19xx und soundso teuer, also muss ich es jetzt toll finden) - wobei ich mir einbilde, dass dies bei mir recht schwach ausgeprägt ist. Im VGL. von direkt nacheinander angetesteten Gitarren oder wenn man die Gelegenheit hat, ne Gitarre regelmäßig zu spielen, bekommt man sehr gut mit, wie gut sie ist. Ich hab auch schon viele Boutique Pickups gehabt und eben auch alte. Meiner Meinung nach kann man bestimmte Sounds der alten Pickups eben auch mit noch so guter Kenntnis NICHT reproduzieren.

Ich habe nicht geschrieben, dass das Holz keine Rolle spielt. Es macht sich z.B. bemerkbar im Abklingverhalten des Tons (vor Allem lange gehaltene Töne) aber nicht sooo gravierend. Die Änderung des Tons macht sich erst an 4-5 Stelle bemenrkbar nach den PUs etc. Zollner versucht gerade einzelne Einflüsse unter möglich gleichbleibenden Bedingungen herauszuarbeiten, und die Größe deren Auswirkung z.B. auf Frequenzgänge zu bestimmen.

All das ist ja, wie Du schon geschrieben hast, nicht entscheidend für den Kauf, sondern eher ob es beim Antesten gefällt oder nicht.
Mir ist es dann auch ziemlich wurst, was für Holz es ist, wenn die Klampfe für mich gut klingt. Und es ist mir dann auch ziemlich wurst
was Zollners Messungen sagen würden :D
Ich finde es aber interessant, dass jemand überhaupt diese Untersuchungen seriös betreibt. Und es wundert mich, dass bis jetzt niemend so ernsthaft ein elektroakustisches System (E-Gitarre) mit elektroakustischen Methoden untersucht hat :D
Und man möchte ja sein Equipment doch immer besser verstehen/kennenlernen, auch wenn es etwas nerdy ist.
Igorilla
Beachcomber
Beachcomber
 
Beiträge: 186
Bilder: 1
Registriert: Mi Okt 17, 2012 6:53 pm
Wohnort: Berlin

Re: Temperaturabhängiger Sound?

Beitragvon Igorilla » So Feb 15, 2015 1:40 pm

surfing-matze hat geschrieben: Die pickups haben wohl zwar nen Unterschied gemacht (ich kann Novaks empfehlen), aber entschedende war was anderes (jo was nur ?) :roll:

Es muss wohl an der Farbe des Pickguards liegen :D
Igorilla
Beachcomber
Beachcomber
 
Beiträge: 186
Bilder: 1
Registriert: Mi Okt 17, 2012 6:53 pm
Wohnort: Berlin

Re: Temperaturabhängiger Sound?

Beitragvon surfing-matze » So Feb 15, 2015 2:12 pm

Es muss wohl an der Farbe des Pickguards liegen :D


hmmm - also klingt mint besser als tortoise ! ok - einverstanden :lol:

Ja ich will den Zoller ja gar nicht widerlegen - da fehlts mir eh an Fachwissen. Aber dass Holz nur so vergleichsweise "unbedeutend" sein soll, will mir gefühlsmäßig nicht rein...

Dave Wronski hat mir mal gesagt: "It's in the necks" ! Er kauft sich ja des öfteren nen alten Jaguar-Hals (vornehmlich von 63/64 glaube ich) und baut sich dann mit bem Body von Guitarmill und neuen Komponenten verschiede Jags. (kennt Ihr wahrschienlich schon alle: http://slackercaster.com/slackercaster/champagne.html)

Natürlich muss der auch nicht zu 100% richtig liegen, aber als Fender Custom-Shop MA und so wie der mit der Klampfe umgehen kann, hat er schon ne gewisse Ahnung und Erfahrung. Ich glaube daher nach wie vor, dass Holz recht wichtig ist. Was ich nicht glaube: leichte Gitarre = gute Gitarre und schwer = nicht gut. Kenne wunderbare Jaguars in leicht genauso wie in schwer. Ich weiss, dass das nur (wenn auch auf Erfahrungen basierende) Vermutungen sind. Zoller versucht halt, hier knallharte Fakten wissenschaftl. zu belegen. Jo mei - is scho ok. Ich werd mir die Technik allerdings nicht reinziehen, um das verstehen zu können. Was anderes wärs, wär ich nen Gitarrenbauer. Es gibt übrigens auch Leute, die ihre Klampfen "einschwingen" lassen (für teures Geld) oder sich so ein "Rüttelgerät" besorgen oder selbst bauen (weil vieeel günstiger), mit dem sie ihre Gitarre versuchen "inzuschwingen". Auch das is jetzt nicht komplett undenkbar. Wäre interessant, ob es dazu auch was vom Zoller gibt. Weil sowas könnte man ja dann tatsächlich messen (so vorher - nachher Vgl. ob sich etwas an den Frequenzen verändert hat). Dazu gabs mal Artikel in Gitarre & Bass (hab ich vom Nachbarn mal ausgeliehen gehabt).

@ Kilian - das mit dem Fuzz is echt so - mich hat es total umgehauen, als ich das gehört hatte (und wir wissen ja, dass Jimi das Dallas Arbiter Fuzz Face intensiv gespielt hat). Allerdings hat es auch nur so richtig funktioniert, wenn der Amp laut genug gedreht war. Klar kommt das hinzu. Der Jimi hatte wohl ziemlich viele Regler auf Anschlag oder zumindest so weit aufgedreht, wie es sich heute keiner mehr trauen würde und hat dann mim Volume-Poti fast alles gemacht. Mit Compressoren kenne ich mich halt nicht aus.

So, und nu statte ich alle Klampfen mit mint pickguard aus ! ;)
surfing-matze
Beachcomber
Beachcomber
 
Beiträge: 348
Registriert: Sa Feb 14, 2009 11:49 pm

Re: Temperaturabhängiger Sound?

Beitragvon novamax » Mo Feb 16, 2015 12:14 am

Man muss sich halt die ganze Übertragungsstrecke anschauen:
Von der Tonerzeugung (Saite) über die Auflage (Sattel/Bridge), des Gegenlagers (Aufhängung/Mechaniken, Hals/Korpus), über Pickup, Elektronik, Amp und Speaker. Wenn ein Glied richtig oll ist, können alle anderen perfekt sein, es nützt nix. Insofern ist an irgendeinem Punkt jedes Element auf Prio A.

Aber bei einem Saiten-Spann-Brett wie einer Solid-Body (Resonanzkörper einer Akustikgitarre haben noch andere Funktionen) dürfte für Holz vor allem wichtig sein, dass es keine wichtigen Frequenzen tot-dämpft (und dafür dürfte der Hals wirklich mehr Schwingungseinfluss als der Korpus haben). Solange das passt, wird der Klang wohl eher aus den Saiten (!) erzeugt und in PUps und Amp geformt als durch die genaue Holz-Sorte... Anders gesagt: Der Toncharakter dürfte woanders herkommen, aber Holz und Sattel können viel davon kaputtdämpfen.

Ich habe jedenfalls den Eindruck, dass günstige Instrumente ebensowenig zwangläufig schlecht sein müssen wie Vintage oder teure Instrumente eine Garantie für guten Sound sein müssen. Wer nicht nach Status, Wertanlage, Preis oder nach Wahrscheinlichkeit/Marketing kaufen will, sollte einfach einen Blindtest am sonst gleichen Rig machen: Beiden Instrumente blind zuhören und beide blind spielen, jeweils ohne zu wissen, welches ist welches). Wenn es sich dabei in Klang und Spielgefühl durchsetzt, wird es wohl besser sein (Ob einem das dann ggf. wieviel mehr Geld wert ist, muss jeder dann selbst entscheiden).

So mach ich das oft mit einem Kumpel: Manchmal bestätigt sich der Preis, manchmal gibt es Überraschungen (bei ausgewählten Serien), und manchmal bedienen unterschiedlich teure Instrumente unterschiedliche Vorlieben auf gleichem Qualitätsniveau. In jedem Fall ist es immer wieder erstaunlich, wieviel weniger eindeutig der Unterschied vieler Instrumente dann doch ist... :) Ich glaube jedenfalls ohne Blindtest keinen Pauschal-Aussagen a la “made in USA“ mehr und weiß manche (!) günstig-Serie besser zu schätzen, ggf. mit kleineren Mods.

Andrerseits habe ich auch wirklich wenige “heilige“ (Vintage) Instrumente spielen können und wäre gespannt, ob die den Blindtest im Regelfall eindeutig bestehen...
novamax
Beachcomber
Beachcomber
 
Beiträge: 244
Registriert: Mo Feb 03, 2014 10:11 pm
Wohnort: Berlin

Re: Temperaturabhängiger Sound?

Beitragvon simoncoil » Mo Feb 16, 2015 10:25 am

Ich klinke mich an dieser Stelle auch mal ein. Vor ein paar Jahren hat sich eines der Mitglieder vom Guitarworld-Forum mal die Mühe gemacht, einen Blindtest zum Vergleich verschiedener Gitarren zu basteln. Ausgangspunkt hierfür war damals die auch hier zitierte Aussage von Zollner, dass das Holz für die Tonbildung kaum eine Rolle spielt, was von vielen mit an Fanatismus grenzender Härte abgestritten wurde. Leider hat sich besagtes Foren-Mitglied irgendwann verabschiedet und alle seine Beiträge löschen lassen, daher kann ich hier nur auf den entsprechend zerlegten Originalthread verweisen, und aus dem Gedächtnis rekonstruieren.

Verglichen wurden sechs Gitarren: LesPaul, 3 Strats (Maple/RW/Humbucker am Steg), eine ES-335 und eine Vollresonanz-Jazzgitarre (ES-175). Die gingen alle durch den gleichen Verstärker mit den gleichen Einstellungen, und es wurde immer das gleiche musikalische Material gespielt. Das Ergebnis war: Die Gitarren klangen alle in etwa gleich. Jedenfalls haben die Unterschiede nicht ausgereicht, um sie klar zu identifizieren.

So richtig interessant wurde es dann aber in der Reflexion: Der Urheber des Testes (der übrigens über ein extrem fundiertes Wissen im Bereich Tontechnik verfügt) merkte nämlich zum einen an, dass es ihm sehr schwer gefallen wäre, den haptischen Unterschieden der Instrumente zum Trotz immer genau das Selbe zu spielen. Zum anderen würde er natürlich normalerweise den Verstärker NICHT unabhägig von der verwendeten Gitarre immer mit der gleichen Einstellung betreiben. Tatsächlich war es auch so, dass die Gitarren im Test jetzt nicht unbedingt schlecht klangen, aber eben auch irgendwie "charakterlos". Denn was man im Normalfall macht (und das war für mich das wichtige Ergebnis des Testes), ist über den Verstärker die charakteristischen "Stärken" einer Gitarre hervorzuheben und zu betonen.

Das Fazit war also: Unter genormten Bedingungen sind Holz und Bauart der Gitarre sicher weniger entscheidend als die Tonabnehmer, der musikalische Kontext ist aber eben nicht genormt, sondern begünstigt mal diesen, mal jenen Faktor stärker.

Also haben letztlich viele Leute viel Zeit mit verschiedenen Test verbracht und am Ende ist alles wieder offen. Es lebe die Wissenschaft! :lol:
Los Apollos - interplanetary surf music trio.
Benutzeravatar
simoncoil
Beachcomber
Beachcomber
 
Beiträge: 401
Registriert: So Feb 13, 2011 6:34 pm
Wohnort: Berlin

Re: Temperaturabhängiger Sound?

Beitragvon Igorilla » Mo Feb 16, 2015 11:33 am

simoncoil hat geschrieben:Ich klinke mich an dieser Stelle auch mal ein. Vor ein paar Jahren hat sich eines der Mitglieder vom Guitarworld-Forum mal die Mühe gemacht, einen Blindtest zum Vergleich verschiedener Gitarren zu basteln. Ausgangspunkt hierfür war damals die auch hier zitierte Aussage von Zollner, dass das Holz für die Tonbildung kaum eine Rolle spielt, was von vielen mit an Fanatismus grenzender Härte abgestritten wurde. Leider hat sich besagtes Foren-Mitglied irgendwann verabschiedet und alle seine Beiträge löschen lassen, daher kann ich hier nur auf den entsprechend zerlegten Originalthread verweisen, und aus dem Gedächtnis rekonstruieren.

Verglichen wurden sechs Gitarren: LesPaul, 3 Strats (Maple/RW/Humbucker am Steg), eine ES-335 und eine Vollresonanz-Jazzgitarre (ES-175). Die gingen alle durch den gleichen Verstärker mit den gleichen Einstellungen, und es wurde immer das gleiche musikalische Material gespielt. Das Ergebnis war: Die Gitarren klangen alle in etwa gleich. Jedenfalls haben die Unterschiede nicht ausgereicht, um sie klar zu identifizieren.

So richtig interessant wurde es dann aber in der Reflexion: Der Urheber des Testes (der übrigens über ein extrem fundiertes Wissen im Bereich Tontechnik verfügt) merkte nämlich zum einen an, dass es ihm sehr schwer gefallen wäre, den haptischen Unterschieden der Instrumente zum Trotz immer genau das Selbe zu spielen. Zum anderen würde er natürlich normalerweise den Verstärker NICHT unabhägig von der verwendeten Gitarre immer mit der gleichen Einstellung betreiben. Tatsächlich war es auch so, dass die Gitarren im Test jetzt nicht unbedingt schlecht klangen, aber eben auch irgendwie "charakterlos". Denn was man im Normalfall macht (und das war für mich das wichtige Ergebnis des Testes), ist über den Verstärker die charakteristischen "Stärken" einer Gitarre hervorzuheben und zu betonen.

Das Fazit war also: Unter genormten Bedingungen sind Holz und Bauart der Gitarre sicher weniger entscheidend als die Tonabnehmer, der musikalische Kontext ist aber eben nicht genormt, sondern begünstigt mal diesen, mal jenen Faktor stärker.

Also haben letztlich viele Leute viel Zeit mit verschiedenen Test verbracht und am Ende ist alles wieder offen. Es lebe die Wissenschaft! :lol:


Amen!
Habe schon von verschiedenen solchen Tests gehört, mit ähnlichen Ergebnissen.
Ich sehe die Sache auch in etwa dem selben Licht, wie Du am Ende Deines Posts schreibst. Aber, als so eine Art Berufskrankheit, kann ich es manchmal nicht lassen, zu einigen Aussagen in der Presse oder in Foren in wissenschaftlichen Kreisen zu recherchieren.
Ist ja letztendlich auch alles nicht so wichtig. Es muss doch gute Musik im Mittelpunkt stehen, egal auf welchem Holz gespielt, solange mint Pickguards drauf sind :D .
Igorilla
Beachcomber
Beachcomber
 
Beiträge: 186
Bilder: 1
Registriert: Mi Okt 17, 2012 6:53 pm
Wohnort: Berlin

Re: Temperaturabhängiger Sound?

Beitragvon surfing-matze » Mo Feb 16, 2015 1:26 pm

so nun bin wieder ich dran als Verfechter der Esoterik :lol:

Ich kann mir folgende "Streitfalle" bei diesem Thema vorstellen, in die man beim Diskutieren allzu gerne hineinläuft:

- Der Physiker / Techniker analysiert die Unterschiede bzw. den Einfluss versch. Komponenten auf den Sound und Soundunterschiede. Dabei testet er natürlich Gitarren verschiedener Bauart, Tonabnehmer und Holz und stellt fest - Tonabnehmer machen am meisten Unterschied, dann kommt x, dann y usw. und Holz spielt dabei eben eine deutlich weniger entscheidende Rolle.

- Der Gitarrist / Musiker versteht dabei - hey Holz ist eigentlich relativ unbedeutend und (wenns schlecht läuft und ers mies aufnimmt) - "Du Depp hast jetzt viele Euros zu viel ausgegeben für Dein Mahagoni / Brazilian Rosewood oder sonstewas-Gerät. Hättse ma lieber g'scheite Pickups in die China-Klampfe eingebaut. (ich übertreibe ab und an ;)...). Deine vermeintlichen Unterschiede, die Du im Laden beim Anspielen Deiner 3K-teuren Strat gegen die China-Strat gehört hast, waren nur psycho-akustischer Art." Da er aber die Unterschide in der Klangqualitöt tatsächlich wahrgenommen hat (und sie vllt. ja auch tatsächlich da waren), fühlt er sich wie wenn er mim blauen Auge (nach der Keilerei mit dem Physiker, der den perfekten Hebel und Weg der Faust zum Auge des Gitarristen berechnet hatte) zum Arzt geht und der sagt ihm: "Ihre Beschwerden sind psychosomatisch bedingt".

Also lange Rede kurzer Sinn. Wir - wenn wir ne Gitarre beurteilen, ob gut oder nicht gut - nehmen 2 oder mehr Gitarren der gleichen Art - Vgl. Jaguar vs. Jaguar. Das heisst: wir bewegen uns (da sie ja von den pickups, konstruktion, elektrik, poti-werte etc. fast identisch sind) - nur noch die letzten 3 % der 100% Gesamtsound des Instrumentes. Wahrscheinlich bewegt sich unser Empfinden gute vs. schlechte Jaguar in dem allerletzten Bereich, den der Physiker evt. noch gar nicht messen kann. Diese 3% (oder weniger) sind dann evt. das holz und für den Spieler liegen da empfunden Welten zw. den Gitarren.

Nach meiner "Theorie" finde ich z.B. ne Jag VIEEEL besser als ne andere und der Physiker sagt, na gut die klingen fast identisch. Insofern haben beide recht und müssen sich nicht prügeln, sondern nur besser verstehen.

Auf Aufnahmen glaube ich übrigens auch - kann ALLES passieren und obwohl ich mir ne gewisse Erfahrung und ein gewisses Urteilsvermögen einbilde, kann ich hier mega daneben liegen. Was solche Aufnahmen aber auch grundsätzlich weniger aussagekräftig macht:

Der Spieler reagiert genauso auf die Gitarre, wie diese auf ihn. Ne schlechte Axt klingt halt evt. auch immer gleich (gleich gut oder gleich schlecht). Nen Qualitätsmerkmal ist, wenn eine Gitarre auf die Spielweise reagiert und den Spieler dazu veranlasst (weil ers geil findet, während er die Klampfe kennenlernt) - bewußt oder unbewußt - in einer bestimmten Art und Weise anzuschlagen. Eine schlechte Klampfe reagiert darauf evt. null. Bei solchen Tests wird ja gerade darauf abgezielt, alle anderen Einflussfaktoren auszublenden und der spieler soll ja "konstant" sein (sonst wärs wieder nicht repräsentativ und wissenschaftlich). Außerdem glaub ich nicht, dass der der sie samples einspielt lange Zeit verwendet, die Gitarren "kennenzulernen".

Ihr kennt das ja evt. wenn eine Gitarre einfach so Spass macht, dass man sie ungern weglegen mag... Die reagiert dann vermutlich einfach toll. Übrigens ist es mir auch schon bei live Konzerten aufgefallen, wenn der Gitarrist ne Saite zerstört hat und auf seine Backup-Gitarre ausweichen musste, dass dann etwas anders war (meist nicht ganz so gut wie zuvor).

Ich habe übrigens mal mit Volker Kilauea mich im letzten JAhr getroffen. Er hat ja bei den Kilaueas zuletzt eine AVRI Jag in schwarz gespielt, die er och immer hat. Er spielt jetzt bei der Wellenkapelle und hat sich als Backup ne classic player jag zugelegt - jetzt wollte er einfach mal nen kleinen Jag-shootout machen, da er wusste ich hab ne cij-jag mit Novaks und was altes - dazu hat er sich noch eine vintage jag von so ca. 67-70 ausleihen können. Das war also ein Vergleich der letzten 3% (wie ichs jetzt mal nenne).

Es war noch ein Unbeteiligter dabei, der auch bisschen gespielt und gehört hat. Erschwerend:

mit flats bestückt waren fast alle, eine mit 11er nickel rounds.

Jo - wie war das so ?

Also - zunächst zu sagen - klar wollte ich , dass meine beiden alten am besten klingen :lol: - sehr interessant war: Volker spielt hauptsächlich (eig. fast nur) auf dem Halspickup und macht den jangle switch an. Ich hab das schon immer vermutet und war ziemlich erfreut, dass mein Gehör hier richtig lag. Bei mir ist die Zwischenposition und jangle switch off meine lieblings-position. Gepielt haben wir über Volkers blackface Bandy mit 210er Cabinet und Fender RI Hallkiste (klar oder?)

ich machs kurz:
- classic player von Volker mit flats: klang sehr gut ! kann man auf die Bühne mit gehen...
- cij-Jag mit Novaks und flat von mir: klang sehr gut ! kann man auf die Bühne mit gehen...
- AVRI Jag von Volker mit flats: klang sehr gut ! kann man auf die Bühne mit gehen...

(Ihr merkt schon was oder ?)

also die Unterschiede waren subtil - alles gut. Ich meine Volkers AVRI klang bisschen besser als die beiden anderen und ich glaube meine cij auch bisschen besser als die classic player, aber echt - das kann auch psychoakustik gewesen sein.

- 67-70er vintage mit flats (ausgeliehen): brige PUP alleine (jangle off) klang seeeeehr schön ! irgendwie warm und durchsetzungsfähig. Waren beide sehr angetan davon. die anderen pup-positionen waren auch echt gut. Ich meine, sie hat die 3 vorigen getoppt.

- 63er vintage mit 11er nickel rounds: schwer vergleichbar wegen der Saiten. Ich liebe die Klampfe und war natürlich begeistert ;). der bridge pip alleine aber war lange nicht so gut wie bei der vorigen. Volker hat sie nicht so ganz zugesagt (was aber auch an den saiten gelegen haben kann). Unser unbeteiligter Spieler / Zuhörer fand die am besten (aber auch das kann seiner Vorliebe für rounds geschuldet sein - er mochte die vorige nicht so sehr.

- 63/64er vntage mit 12er flats: toll, aber die hat komischerweise nicht so gezündet (obwohl das meine absolute Proberaum-Waffe ist). Steg-Pickup konnte nicht mithalten mit der ausgeliehenen 67-70er. Sonst war sie etwas höhenreicher.

Mein Eindruck war: alle alten klangen für mich besser als alle 3 neuen. die 67-70er klang sehr gut. Psychoakustik rechne ich keine so große Rolle zu - ich mochte die 67-70er nicht optisch und haptisch naja - und alle Voruteile im Netz sagen ja auch, dass mit CBS ein gewisser Qualitätsabfall kam. Meine beiden alten konnten (mich und den unbeteiligten - bei ihm v.a. meine 63er mit rounds) überzeugen - mit Ausnahme des Steg-pickups, der bei der 67-70er einfach unbestritten in dieser disziplin gewonnen hatte.

Volker war recht happy, dass die Unterschiede so gering sind, wie sie waren und ist soweit ich weiss bei seiner AVRI und der Classic Player geblieben. Die 67-70er hat ihm schon gefallen, aber die viele Kohle und die Optik haben ihn abgehalten, glaube ich.

So - die Unterschiede waren da ! aber eben auf den letzten 2 % oder so und ich glaube - daaaaa is die Physik evt. noch nicht so weit.

Ach eines noch: gerade das mit dem "Reagieren" der Klampfe auf den Spieler und überhaupt Soundvergleiche: Wir surfer haben da mit unseren settings eher schlechtere Vergleichsmöglichkeiten, wenn wir in unserem Sound bleiben. Der Hall niveliert Unterschiede ! Auch was den Anschlag angeht, finde ich flats und Hall nivelierend. Zumindest hab ich manchmal das Gefühl, ich müsste vom Anschlag her immer ziemlich auf hohem Level spielen... (gehts Euch auch so?)
surfing-matze
Beachcomber
Beachcomber
 
Beiträge: 348
Registriert: Sa Feb 14, 2009 11:49 pm

Re: Temperaturabhängiger Sound?

Beitragvon MusicTeanna » Mo Feb 16, 2015 2:26 pm

sehr interessanter Thread! :-)
Benutzeravatar
MusicTeanna
Newbie
 
Beiträge: 4
Registriert: Di Feb 10, 2015 12:59 pm
Wohnort: Würzburg

Re: Temperaturabhängiger Sound?

Beitragvon novamax » Mo Feb 16, 2015 2:48 pm

Matze: Dein Bericht trifft es sehr gut - Man muss dann eben überlegen, was einem die letzten 2...3 % Wert sind (So richtig üble Äxte zum Holzfällen sind natürlich eine ganz andere Geschichte). Wobei ich weiter darauf bestehen würde, dass man das nach Blindtests beurteilen sollte (Hörtest Fremdgespielt, eigener Spieltest- Dann aber bei Übergabe des Holzes Augen zu!). Eigentlich kann man nur so sicherstellen, dass man keine Farbtöne, Aufdrucke und Forenposts rausgehört hat... ;)
novamax
Beachcomber
Beachcomber
 
Beiträge: 244
Registriert: Mo Feb 03, 2014 10:11 pm
Wohnort: Berlin

Re: Temperaturabhängiger Sound?

Beitragvon simoncoil » Mo Feb 16, 2015 2:58 pm

Schöne Geschichte, Matze!

Ich sehe da neben dem, was ich oben zur nicht genormten Situation des Musikmachens geschrieben habe, auch grundsätzlich das Problem, wie sich solche Erkenntnisse überhaupt praktisch umsetzen lassen sollen; auch Blindtests etc. Ich bin nunmal Musiker und kein Instrumentenbauer, d.h. ich suche mir innerhalb des Angebotes ein passendes Instrument durch Vergleiche aus, und modifiziere das dann evtl. später. Also kurz: Entweder das Instrument überzeugt, oder nicht.

Zu den Flats: Ich hatte ja mal für ein paar Wochen die weiße CIJ Jaguar von Tom Kilauea. Coole Geschichte eigentlich: Ich bin abends zum Kilaueas-Konzert und Tom hatte die Gitarre dabei, weil er sie vielleicht an Lorenzo verkaufen wollte (dessen rote Jaguar ist auch eine CIJ aus der gleichen Periode). Der hatte dann aber kein wirkliches Interesse, also konnte ich die Gitarre direkt zum Ausprobieren mitnehmen. :mrgreen:
Auf der Jaguar waren jedenfalls Flats drauf, und mit denen kam ich trotz Eingewöhnungsphase, nicht klar, als ich sie dann mit zur Probe genommen habe. Ich musste im Vergleich mit meiner Strat (Roundwounds) vor allem auf den tiefen Saiten so viel härter anschlagen, um mich irgendwie hörbar zu machen, dass es einfach nicht ging.

Letzten Endes habe ich die Gitarre dann wieder zurückgegeben und nicht gekauft. Ab und an ärgere ich mich ein bisschen drüber, denn die Substanz war eigentlich schon klasse, und ich hätte zumindest mal eine Runde mit Roundwounds spielen sollen.
Los Apollos - interplanetary surf music trio.
Benutzeravatar
simoncoil
Beachcomber
Beachcomber
 
Beiträge: 401
Registriert: So Feb 13, 2011 6:34 pm
Wohnort: Berlin

Re: Temperaturabhängiger Sound?

Beitragvon surfing-matze » Mo Feb 16, 2015 3:22 pm

Jo die weisse Jag vom Tom kenne ich auch ! Ich glaube, er hat sie nicht mehr oder ?

Jo also mit Rounds wär Dein Urteil evt. anders augefallen, who knows ;)... Mein Eindruck war - echt okaye Jag, aber nix Besonderes (mein Maßstab ist aber seiher auch ein anderer). Ich habe auch mal nen Jag-Projekt vom Tom übernommen. War ein alter Body und ein 65er Hals. Hat tierisch Spass gemacht, das Teil mit Teilen langsam aufzubauen. Und schön wurde sie letzlich auch.

Letztlich war aber der Sound auch wieder sehr gut (und auch besser als der meiner cij), aber als ich meine jetzige alte bekam, wars klar, dass ich sie verkaufen würde, was ich dann auch getan hab. Ich war auch hin und wieder von Gitarren, die ich toll finden wollte, enttäuscht (im Laden, aber auch von welchen, die mir gehörten), daher halte ich den psychoakustischen Einfluss auf mich selbst wie bereits gesagt für nicht so groß. Täuschen kann man sich aber klar immer.

Ach eines evt. noch als Nachtrag zu Jag-Shoot-out:

Als ich mit den Kilaueas mal bei ner Hochzeit gespielt hatte, hatte Ralf ne wunderbare alte Jag dabei und die klang im Vgl. zu meiner cij auch so viel lebendiger und einfach toll. Als dann aber der Bräutigam nach unserem set mit seiner Band zu meiner cij gegriffen hatte und meinen showman auf dem zugegebenermaßen etwas leise geratenen vibratokanal fast VOLL aufgedreht hatte, war das sowas von egal. Bei dem Stand des Volume Reglers klangs einfach nur gigantisch und ich dachte mir hinterher - hey mann spiel doch auch nur noch den schwachen vibrato kanal und mach dafür umso lauter !!! :lol:

Bei unserem shootout mit Volker hatten wir seinen Bandy auch recht laut und ich glaube, dass daher die Unterschiede der Jags (so auch noch mit Flats und Hall) etwas geringer waren. Zu Hause ist meine 63er mit den rounds meiner cij (für mich wahrgenommen) um Welten überlegen - es ist so wie damals Ralfs im Vgl. zu meiner cij gewesen war...
surfing-matze
Beachcomber
Beachcomber
 
Beiträge: 348
Registriert: Sa Feb 14, 2009 11:49 pm

Re: Temperaturabhängiger Sound?

Beitragvon Igorilla » Mo Feb 16, 2015 3:23 pm

Ich spiele schon sehr lange mit Flats aus einem sehr banalem Grund: Das Geräusch, wenn man mit trockenen Fingern über die Rounds gleitet, kann ich nicht ertragen. Bekomme einfach Gänsehaut und muss mich schütteln. So in etwa wie damals in der Schule, wenn jemand mit einem langen Stück Kreide an der Tafel schreibt und es fängt an zu quitschen. :x
In letzter Zeit wünsche ich mir aber zunehmend einen etwas presenteren/obertonreicheren Klang der dicken Saiten und werde mich wahrscheinlich an die Rounds gewöhnen müssen...
Igorilla
Beachcomber
Beachcomber
 
Beiträge: 186
Bilder: 1
Registriert: Mi Okt 17, 2012 6:53 pm
Wohnort: Berlin

Re: Temperaturabhängiger Sound?

Beitragvon novamax » Mo Feb 16, 2015 4:11 pm

Ich weiß nicht, wo man die herbekommt, aber es gibt halfround / halfwound / groundwound Saiten, die zur Seele hin rund sind (und deswegen weniger steiff arbeiten können als Flachdrahtwicklungen), aber nach außen regelrecht runtergeschliffen sind (und deswegen keine Bundgeräusche machen und ohne Rillen als Schmutzsammler länger halten) - Vielleicht mal einen Blick wert... :)
novamax
Beachcomber
Beachcomber
 
Beiträge: 244
Registriert: Mo Feb 03, 2014 10:11 pm
Wohnort: Berlin

Re: Temperaturabhängiger Sound?

Beitragvon novamax » Mo Feb 16, 2015 5:50 pm

simoncoil hat geschrieben:auch grundsätzlich das Problem, wie sich solche Erkenntnisse überhaupt praktisch umsetzen lassen sollen; auch Blindtests etc. Ich bin nunmal Musiker und kein Instrumentenbauer, d.h. ich suche mir innerhalb des Angebotes ein passendes Instrument durch Vergleiche aus, und modifiziere das dann evtl. später. Also kurz: Entweder das Instrument überzeugt, oder nicht.

Tja, im Endeffekt ist ein Instrument eben doch sowas wie eine Partnerin ;) Man verliebt sich oder nicht... Mir ging es auch eher darum, mal unabhängig von Äußerlichkeiten wie Kopfplatte und Seriennummer auf das Gefühl zu vertrauen (nicht um wissenschaftliche Testen der idealen Gitarre). Im Endeffekt hat man ja im Gespür, was sich richtig anfühlt...
novamax
Beachcomber
Beachcomber
 
Beiträge: 244
Registriert: Mo Feb 03, 2014 10:11 pm
Wohnort: Berlin

Re: Temperaturabhängiger Sound?

Beitragvon SanchoPansen » Mo Feb 16, 2015 7:25 pm

simoncoil hat geschrieben:Zu den Flats: Ich hatte ja mal für ein paar Wochen die weiße CIJ Jaguar von Tom Kilauea. Coole Geschichte eigentlich: Ich bin abends zum Kilaueas-Konzert und Tom hatte die Gitarre dabei, weil er sie vielleicht an Lorenzo verkaufen wollte (dessen rote Jaguar ist auch eine CIJ aus der gleichen Periode). Der hatte dann aber kein wirkliches Interesse, also konnte ich die Gitarre direkt zum Ausprobieren mitnehmen. :mrgreen:

Letzten Endes habe ich die Gitarre dann wieder zurückgegeben und nicht gekauft. Ab und an ärgere ich mich ein bisschen drüber, denn die Substanz war eigentlich schon klasse, und ich hätte zumindest mal eine Runde mit Roundwounds spielen sollen.


Na jetzt rate mal, wer diese Jaguar letzten Endes gekauft hat? Na?
Bild

P.S.: Das ist auch die Jaguar, die ich im Reverb Shootout gespielt habe ;-)
Zuletzt geändert von SanchoPansen am Mo Feb 16, 2015 7:27 pm, insgesamt 2-mal geändert.
Benutzeravatar
SanchoPansen
Beachcomber
Beachcomber
 
Beiträge: 316
Bilder: 8
Registriert: Sa Okt 29, 2011 8:11 am
Wohnort: Berlin

VorherigeNächste

Zurück zu Instrumente

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron